BLOG

VKI Erhebung Februar 2013

Angebotsvergleich bei 24-Stunden

Betreuung wichtig

Viele ältere und körperlich eingeschränkte Menschen sind auf eine 24-Stunden-Betreuung angewiesen, wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben wollen. Die große Auswahl an Betreuungseinrichtungen macht es für Betroffene oder deren Angehörige aber oft schwierig, die jeweils optimale Betreuung zu finden. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat die Dienstleistungen von 45 Betreuungsinstitutionen in Österreich verglichen und rät Betroffenen, mehrere Angebote einzuholen und im Vorfeld die benötigten Anforderungen möglichst genau abzuklären.

   

Schätzungen sozialer Dienste zufolge sind weit über eine halbe Million Menschen nicht mehr in der Lage, ihren Alltag alleine zu bewältigen. Die Kosten für einen Betreuer bewegen sich bei den vom VKI befragten Institutionen je nach Anforderung und Leistungsspektrum zwischen 40 und 115 Euro pro Tag. Zusätzlich fallen unter Umständen Kosten für die Agentur bzw. den Verein oder für Sozialversicherungsbeiträge an.

Individuelle Anforderungen abklären

VKI-Gesundheitsexpertin Angela Tichy betont: "Das Leistungsangebot der Vermittlungsagenturen ist sehr unterschiedlich, jeder einzelne Pflegefall wiederum individuell. Umso wichtiger ist es für die Betroffenen, im Vorfeld genau abzuklären, welche Leistungen benötigt werden, welche Anforderungen unverzichtbar sind und wo Kompromisse geschlossen werden können."

Dabei ist unter anderem zu bedenken: Sind neben betreuerischen Tätigkeiten auch pflegerische öder ärztliche Tätigkeiten erforderlich? In diesem Fall ist es laut VKI von Vorteil, wenn die Betreuungsperson eine höhere Ausbildung aufweist, auch wenn diese in Österreich meist nicht anerkannt ist.

Sorgt die Agentur oder der Verein von sich aus für Ersatz, wenn die Betreuung ausfällt? Da eine 24-Stunden-Betreuung ohne Personal aus dem Ausland nicht denkbar wäre, sollte man auch klären, im welchem Umfang Deutschkenntnisse benötigt werden: Sollen Amtswege übernommen werden oder wünscht sich die zu betreuende Person auch sozialen Kontakt und Unterhaltung?

Detaillierte Kostenaufstellung

Nicht nur die Leistungen und das Angebot fallen höchst unterschiedlich aus, auch die Kosten und die Zahlungsmodalitäten variieren erheblich, wie die Erhebung zeigt. Die Modelle der 45 befragten Anbieter reichen von kostenloser Vermittlungstätigkeit über einmalige Gebühren bis hin zu regelmäßigen Jahresgebühren, von monatlichen Beiträgen bis zu stundenweiser Abrechnung. Auch Staffelungen nach Vertragsdauer sind möglich. Für Kurzeit- und Urlaubsbetreuung gelten oft gesonderte Tarife. Die in Rechnung gestellten Tageshonorare der Personenbetreuer sind in der Regel abhängig vom Pflegeaufwand sowie den Deutschkenntnissen und der Ausbildung der Betreuungspersonen.

Angela Tichy vom VKI resümiert: "Wir raten dazu, mehrere Angebote einzuholen. Manche Anbieter verrechnen aber bereits für ein Informationsgespräch bzw. das Angebot Kosten, auch wenn letztlich kein Vermittlungsvertrag zustande kommt. Deshalb ist es ratsam, sich im Vorfeld über eventuelle Kosten zu erkundigen. Dennoch kann sich auch dieser kurzfristige finanzielle Mehraufwand auf lange Frist rechnen."

Schriftlicher Betreuungsvertrag

Die Personenbetreuer sind dazu verpflichtet, einen schriftlichen Betreuungsvertrag aufzusetzen, in dem alle zu erbringenden Dienstleistungen aufgelistet sein müssen. Die Gesundheitsexpertin rät: "Nehmen Sie sich die Zeit und studieren Sie den Vertrag sehr sorgfältig, bevor Sie ihn unterzeichnen, denn alle darin nicht vereinbarten Dienstleistungen müssen vom Betreuungspersonal nicht ausgeführt werden."

Im Vertrag müssen auch Handlungsleitlinien für den Alltag und für den Notfall enthalten sein. Die erbrachten Dienstleistungen wiederum sind vom Betreuer in schriftlicher Form zu dokumentieren. Außerdem sind die Personenbetreuer dazu verpflichtet, ein Haushaltsbuch zu führen, in dem alle im Rahmen der Betreuung erbrachten Ausgaben angeführt sind.

VKI-Tipps zur 24-Stunden-Betreuung

  • Erkundigen Sie sich Sie sich vorab über die Leistungen und Kosten der Betreuungsvermittlung. Überlegen Sie sich gut, welche Leistungen Sie von dem jeweiligen Anbieter erwarten.
  • Lassen Sie sich ein Angebot vorlegen, das sämtliche zu erfüllenden Leistungen und alle anfallenden Kosten (einschließlich Vermittlungsgebühren, Sozialabgaben, Fahrtkosten sowie mögliche Ausgaben für Kost und Logis) beinhaltet. Überprüfen Sie vertragliche Inhalte wie Bindungsfristen, Zahlungsmodalitäten, Leistungen, Möglichkeiten.
  • Die hohen Kosten können durch staatliche Förderungen gemildert werden. Voraussetzung für eine staatliche Förderung ist neben der Pflegestufe und einem monatlichen Einkommen von nicht mehr als 2.500 Euro der Nachweis der Qualifikation der Betreuungskraft. Der Personenbetreuer muss entweder eine theoretische Ausbildung nachweisen, die einer Heimhilfe entspricht oder seit mindestens sechs Monaten den Förderwerber sachgerecht betreut haben bzw. es muss eine fachspezifische Ermächtigung der Betreuungskraft zu pflegerischen Tätigkeiten vorliegen.
  • Bei einer 24-Stunden-Betreuung können Aufwendungen und Kosten (z.B. Kosten für Betreuungspersonal, Vermittlungskosten, Arzneimittel, Pflegemittel) als außergewöhnliche Belastung im Folgejahr steuerlich abgesetzt werden.

Link:

Sämtliche Details zur Erhebung gibt es unter www.konsument.at sowie in der Februarausgabe des Testmagazins "Konsument".

Quelle:  http://help.orf.at/stories/1693717/